Geschichten rund um die Orgel (II)

Wie hat die antike Orgel, der „Hydraulos“, geklungen? Der „Aulos“ war ein Doppelrohrblattinstrument wie die moderne Oboe. Die ersten Orgeln hatten demnach einen kräftigen, engen, sehr direkten Klang wie heutige Zungenpfeifen (z.B. die Register „Trompete“, Krummhorn“, „Schalmei“ in unserer Orgel). Später kamen flötenartige Register dazu mit offenen und gedeckten, eine Oktave tiefer tönenden Pfeifen. Im ersten Jahrhundert vor Christus beschreibt der römische Architekt und Schriftsteller Vitruv ein solches weiterentwickeltes Instrument.
Es enthielt bis acht Pfeifenreihen (Register), die einzeln oder wahlweise zusammen eingeschaltet werden konnten. Weil mehr Wind nötig war, brauchte das Instrument zwei Kolbenpumpen.
Diese wurden alternierend betätigt, um den Winddruck stabil zu halten. Ein hübsches Detail waren die Einlassventile: Als Gegengewicht diente ein Stück Metall in Form eines Delphins.

Der Delphin war das mythologische Begleittier der Göttin Athene, der Göttin des Webens, des Handwerks und des Kunsthandwerks, der schönen Künste, der Erfindungsgabe und der Wissenschaften. „Wenn die Orgel spielt, springen die Delphine“, sagte man in der Antike und meinte diese Ventile.

Die Orgel muss geboomt haben; schon bald wurde sie als olympische Disziplin zugelassen. Im Jahre 90 vor Christus siegte Antipatros aus Kreta im Musikwettbewerb von Delphi. Er bekam als Preis eine Bronzefigur, eine Inschrift am Tempel von Delphi und das Privileg, bei Orakelbefragungen bevorzugt behandelt zu werden. Er war damit eine echte VIP!

Persönlich gefällt mir der Gedanke, dass in der Antike nicht nur sportliche Fähigkeiten geprüft wurden wie Laufen, Ringkampf, Speer- und Diskuswerfen, sondern auch musische Fächer wie Dichten, Rezitieren und das Spielen eines Instruments. Die olympischen Spiele wurden als Feste verstanden und waren religiös begründet. Sie dienten dem Zusammenhalt der Menschen; keine Kriegshandlungen durften während ihrer Durchführung stattfinden; die Menschen hielten den „olympischen Frieden“ ein.

(Quelle: Friedrich Jakob, „Die Orgel“, Verlag Hallwag/Schott)

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Helene Thürig
Organistin und Klavierlehrerin
Kirchgasse 31
CH-5600 Lenzburg


Tel. 062 891 89 29

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